15 November 2006

Ein bisschen Straußenfilet...

Die Reise ging nun zunächst wieder ins Landesinnere Richtung Oudtshorn. Wir fahren über eine Gebrigskette und dahinter eröffnet sich die beeindruckende Kulisse der kleinen Karru.



Wir erreichen Oudtshorn, das Zentrum der Straußenfarmen, kurz vor Sonnenuntergang. Wir schauen uns ein paar Straußenfarmen an und wir erfahren, dass das Auge des Strauß größer ist als sein Hirn. Und die Viecher wirken auch strohdumm... aber sie schmecken lecker, was wir dann abends ausprobiert haben. :-)

Ein bisschen Urwald...

Erstmal ging es weiter an der Küste Richtung Süden. Erster Halt hier war Jeffreys Bay. Hier gab es einen richtig schönen Backpacker und aus meinem Zelt hatte ich einen 270Grad-Rundum-Blick aufs Meer. Hier gab es auch zum ersten Mal wieder größere Läden und die Vorräte wurden aufgefrischt. Gleichzeitig war es aber auch genau das, was mich gestört hat! Es gab hier schlicht schon zuviel Tourismus und zu viele Surfer-Boys. Die Einsamkeit der Transkei, wo die wenigen weißen Touristen noch Ausnahmen sind, war hinüber. Es hätte nun genauso gut ein Strand in Mallorca oder sonstwo sein können. Nichtsdestotrotz genieße ich hier zwei Tage und fahre dann Richtung Süden weiter. Diesmal aber nicht mehr mit dem Bus, sondern mit dem Auto. Mark und Torsten aus Norddeutschland nehmen mich netterweise mit. Eigentlich wollte ich schon in Storms River wieder aussteigen, aber sie nehmen mich weiter mit und so reisen wir ab jetzt zusammen...

Wir sehen uns die Schlucht von Storms River an
, den big tree, der 800 Jahre alt ist, und fahren über den Bloukrans Pass

nach Plettenberg Bay und weiter anschließend nach Knysna. Beides sehr schöne Orte, aber irgendwie hält uns nichts dort.

Und so fahren wir ein Stück zurück und machen kurz vor Knysna Halt auf einer Pferde-Farm. Superidyllisch und familiär. Mich hat eine leichte Mittelohrentzündung erwischt und so schlafe ich diesmal in einem Bett, da die Temperatur draußen doch ziemlich kalt war. Außerdem basteln mir die Jungs aus einem T-Shirt einen schönen Schal und schon am nächsten Morgen war ich wieder fit. Wir sind dann durch die Wälder ausgeritten. Nicht, dass ich reiten könnte, aber mein Pferd war sehr geduldig mit mir...



Schlangen sind wir beim Ausritt Gott sei Dank nicht begegnet, dafür aber ein paar Affen. Die Pferde sind netterweise ruhig geblieben. Wir sind dann durch kleine Schluchten, matschige Bachläufe und auf kleinen Pfaden durch den (Ur-)wald geritten. Eine nette Abwechselung und die Ruhe tat gut.

Durch die wilde Transkei... und "hey, you can dance, Sis"

Die Fahrt ging diesmal von Pretoria über Durban nach Coffee Bay an der Wild Coast. Mein Zelt (ja, ich campe ab jetzt fast ausschließlich) steht mal wieder direkt am Meer. Wunderbar.

Am ersten Tag dort mache ich eine Wandertour an der Küste lang zum "hole in the wall". Die Tour war recht anstrengend, aber nur einige Stunden lang.


Am Ziel angekommen wollten wir eigentlich alle einen Klippensprung machen. Da es an dem Tag kühl war, wollten schon einige nicht mal ins Wasser. Drei Jungs und ich sind aber mutig ins Wasser gegangen und zur anderen Seite der Bucht geschwommen. Die See war aber sehr aufgewühlt und es kamen ziemlich hohe Brecher durch das Felsenloch und so bin ich schon fast nicht an den Klippen hochgekommen. Immer, wenn ich gerade etwas Halt hatte und hochklettern wollte, hat mich eine große Welle wieder runtergespült. Dementsprechend war ich auch ein wenig verschrammt, aber kein Blut in Sicht, also weiter... ;-)
Nach dem vierten Anlauf hat es geklappt und ich bin hochgekommen. Wir sind dann in die Innenseite des "hole in the wall" geklettert, um von dort ungefähr 6 Meter ins Wasser zu springen. Allerdings habe ich dann doch gekniffen, da ich gesehen habe, wie weit unten die Klippen noch ins Meer ragen und welche Kraft die Brecher hatten. Unser Guide ist gesprungen und dann auch die Jungs. Einen haben aber gleich zwei Wellen hintereinander erwischt und er hatte einiges Wasser zu schlucken. Nachdem er wieder Luft hatte, sind wir zurückgeschwommen.

Abends sind wir zu einem Xhosa-Village eingeladen worden. Der "Hütten-Mann", der weise Mann des Dorfes, hat zu uns gesprochen und wir haben traditionelles Essen und Trinken bekommen (und wieder war ich doch sehr froh um eine Hepatitis A - Impfung... ;-) ). Dann haben erst die Mädchen des Dorfes getanzt, dann die Männer... und wir haben kräftig mitgemacht. Gott sei Dank hatte dies diesmal nichts mit dem Touri-Programm zu tun, das wir in dem Village vor einigen Wochen erlebt haben. Dies war ein echtes traditionelles Dorf, das uns zu sich eingeladen hat, um etwas von sich zu zeigen und gleichzeitig was von der anderen Welt zu erfahren. Fernsehen etc. gibt es nicht, Strom auch nicht. Es war ein sehr lustiger und interessanter Austausch. Das Dorf hat sich köstlich darüber amüsiert, dass Männer in Europa nichts für ihre Frauen bezahlen müssen, während dort eine Frau durchschnittlich 6-8 Kühe kostet. Wir haben uns dagegen gewundert, dass einige der Bewohner tatsächlich Handys haben, und so war unsere Frage, wie sie diese denn ohne Strom aufladen? Tatsächlich gibt es weiter unten im Dorf einen coloured man, der als einziger Strom hat. Dort werden die Handys dann auch geladen...

Abends haben wir noch etwas die Trommeln der Transkei genossen. Am nächsten Tag bin ich dann wieder los und habe mich aus ca 50 Metern Höhe abgeseilt. Das hat absolut Spaß gemacht!!!

Mamelodi

Mamelodi ist das größte Township hier in Pretoria. Molly, unser Hausmädchen im Backpacker, lebt dort und hat mich zu sich und ihrer Familie eingeladen. Wir haben in ihrer kleinen Küche zusammen gekocht und nacheinander kamen noch ihre drei Schwestern, teilweise mit Familie. Dazu kamen dann noch andere Bekannte und Verwandte. Es war ein sehr lustiger und schöner Tag. Und vor allem lernt man das Township und die Menschen so doch anders kennen, als mit geführten Touren, die mir ohnehin eher suspekt sind...















Die Lebensumstände sind sehr ärmlich, die Toilette außen in einem Blechverschlag, aber immerhin gibt es außen an der Hauswand fließendes Wasser und gewohnt wird in Steinhäusern. Townships sind also nicht mit Slums zu verwechseln...


Nach Hause bin ich dann von einem guten Freund von Molly, der ein Auto hat, gefahren worden. Von Kriminalität habe ich nichts mitbekommen und für mich bestand nie Gefahr, aber alleine sollte man wohl als Weiße sonst nicht in ein Township fahren...

03 Oktober 2006

Back in the office...

Nach ca. 3.000 Kilometern Tour sind wir wieder in Pretoria. Hier geht es tagsüber in die Kanzlei und außerhalb der Kanzlei habe ich sogar ein lukratives Jobangebot erhalten, aber das gehört hier nicht in einen so schönen Blog...

Abends und am Wochenende treffen wir uns mit inwischen Bekannten. So treffen wir uns z.B. mit dem Pärchen, dem wir in Mozambique ein Zelt gegeben haben Und natürlich gibt es ein Braai... Es wird auch Rugby geschaut, das hier einen höheren Stellenwert hat, als bei uns Fußball. Mit Fahnen und Cap bin ich als Fan der Blue Bulls ausgestattet, die natürlich auch gewonnen haben... ;-)

Wir lernen wiederum viele nette Leute kennen, mit denen wir sonntags dann zu einem schönen See gefahren sind (wie immer: Matrazen auf den Bakkie und Leute rein), und haben endlich einige Rezepte für Rusks (eine Art getrockneter Kuchen) erhalten, die hier ja schon zu meinen Grundnahrungsmitteln gehören und zur täglichen Ernährung geworden sind...

Das Landesinnere von Lesotho...

Am nächsten Morgen hat uns die Sonne wieder eingeholt und wir sind den ganzen Tag über die halbwegs gut befahrbaren Pisten von Lesotho gefahren, wobei die maximale Geschwindigkeit hier bei ca. 50 km/h lag...

Lesotho ist ein erstaunliches Land und eine ganz andere Welt. Es ist eingeschlossen von hohen Bergen (bis 3.800 Meter) und ist (zumindest im Süden) touristisch noch völlig unangetastet. Auch von der Zivilisation ist hier außer einem Cola-Schild nichts zu sehen. Die Menschen führen hier umgeben von Südafrika ein nahezu unberührtes Leben und sind unheimlich freundlich. Sie gehen der Viehhaltung nach, tragen ihre tradionellen Decken als Umhänge und wohnen in kleinen traditionellen Steinhütten. Pferde dienen als Fortbewegungsmittel und Esel als Lastenträger. Wir sind etliche Stunden durch die unbeschreibliche Landschaft gefahren, haben den Kindern Ananas und Süßigkeiten geschenkt und mit ihnen ein wenig gespielt. Es war unheimlich bereichernd und eine wunderbare Erfahrung...



Wir haben dann im höchsten Pub in Africa noch eine heiße Schokolade getrunken und haben den steilen Rückweg angetreten.



Da die Sonne aber tagsüber ganze Arbeit geleistet hat und die Piste abgetrocknet war, war dieser recht erträglich und so haben wir die Grenzstationen alle rechtzeitig und ohne Zeitdruck erreicht...

Wenn kalte Duschen Luxus werden...

Als ich in Südafrika ankam und nur eine kleine Holzhütte zum Schlafen vorfand, die in Deutschland vielleicht gerade mal gut genug für einen Rasenmäher ist, und die gemauerten Duschen nur lauwarm waren, zu denen man auch noch durch den Garten laufen muss, fühlte ich mich ja schon nicht gerade verwöhnt. In der Zwischenzeit hat sich das verändert.

Während die erste kalte Dusche in dem traditionellen Village kurz vor dem Krüger-Park noch eine Ausnahme war, habe ich mich in der Zwischenzeit daran gewöhnt, dass es doch eher die Regel ist. In Mozambique konnte man die warmen Tropfen, die aus einem offenen Rohr aus der Wand fielen und die man nur durch geschicktes Tänzeln abfangen konnte, an einer Hand abzählen. Meistens war es kalt... - wenn es überhaupt Wasser gab. Manchmal gab es auch nur kaltes Wasser an den Außenduschen. Aber auch nur, wenn man hier Glück hatte...

In Lesotho gab es an dem Abend, als wir ankamen, tatsächlich Wasser, allerdings nur an den Handwaschbecken. Und dieses war im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt! Eine Stunde später gab es das dann auch schon nicht mehr. Dann waren sämtliche Leitungen komplett eingefroren.
Zähneputzen im Schnee - na gut, warum nicht?
Am nächsten Morgen hätte ich mich ja schon gefreut, wenigstens eine kalte Dusche nehmen zu können. Aber es gab nur noch geschmolzenes Schneewasser zum Frischmachen... mehr nicht.

Und nun wünscht man sich den "heimischen" Backpacker mit der kleinen Hütte und den lauwarmen Duschen zurück. Meine Ansprüche haben sich wahrlich geändert: Mir macht es kaum mehr was aus, kalt zu duschen (soll ja ohnehin gesund sein ;-) ), im Zelt zu schlafen, keine Privatsphäre zu haben etc etc. Der Gedanke an die eigene Wohnung mit dem schönen warmen Bad, mit dem kuscheligen Bett mit richtiger Bettdecke und richtiger Bettwäsche ist ein Traum und holt einen manchmal ein, aber doch erstaunlich selten.

02 Oktober 2006

Schlammschlacht am Sani-Pass...

Nachdem wir einige schöne Tage in Mozambique verbracht haben, sind wir die Küste runter nach Durban gefahren. Dort haben wir eine Nacht verbracht und beschlossen, dass es das nicht wert war. Das ist ungefähr so, als wollte man einem, der gerade von einer Südseeinsel kommt, zeigen, dass der Timmendorfer Strand auch schön ist. ;-)
Außerdem weist Durban nach Jo'burg und Kapstadt die höchste Kriminalitätsrate auf, was uns ebenfalls nicht gerade überzeugt hat, noch dort zu bleiben...

Wir sind dann nach Lesotho aufgebrochen. Einige Stunden später erreichten wir die unteren Ausläufer der Drakensberge und es war Ende mit einer richtigen Straße. Ab hier gab es nur noch dirty roads, die nur noch mit Allradautos zu befahren waren. Und es hat auch noch angefangen zu regnen. Unser Auto wurde also schlammiger und schlammiger. Pfützen bis zu einem halben Meter tief, die eher Seen glichen, musste unser Bakkie durchpflügen und ließen unseren Trailer fast absaufen. Aber tapfer haben wir uns weitergekämpft. Jetzt wurden die Berge immer steiler und steiler und die Straßen wiesen immer stärkere Furchen auf. Und es wurde immer matschiger. Der Allrad-Bakkie schlitterte und driftete nur noch hin und her, weil der angehängte Trailer viel zu schwer war. Irgendwo mitten in den einsamen Bergen nach eingen Stunden Fahrt sind wird dann endgültig hängen geblieben. Wir mussten den Trailer abhängen. Dabei wurden alle unsere Hände gebraucht und wir rutschten auf dem seifigen Matsch ständig aus. Nach kleineren Verletzungen und nachdem der Trailer verbeult war, sahen wir aus wie Schlammmonster. Aber der Trailer war richtig postiert. Der Bakkie wurde gewendet, der Trailer angehängt und wir sind erstmal zurück in das erste Dorf, das ein kleines Hotel aufwies. Dort haben wir den Trailer dann abgestellt, unsere Rucksäcke und nötigsten Vorräte in den Bakkie geworfen und ohne den Trailer sind wir dann erneut in die Berge gefahren. Immer noch schlitterten wir hin und her, aber Monrey ist ein guter Fahrer und so hatten wir Vertrauen, dass wir es schaffen würden. Wir haben es dann auch erstmal rechtzeitig zur unteren (südafrikanischen) Grenze geschafft, bevor diese schließt. Wir haben die Ausreisestempel bekommen und hatten eine Stunde Zeit, die obere, ca. 8 km entfernte, Grenze von Lesotho zu erreichen.

Auf dem Weg dorthin wurden wir dann schon für unsere Mühen belohnt, wie man den Bildern unschwer entnehmen kann:


Wer es schafft, auf dem zweiten Bild einen kleinen hellen Punkt auszumachen: Das ist die untere Grenzstation...

Je höher wir kamen, desto matschiger wurde es. Obendrein fing es nun auch noch an zu schneien...



Aber wir kämpften uns tapfer auf ca. 3.000 Meter hoch und erreichten auch die obere Grenze rechtzeitig. Es war allerdings eiskalt und alles war eingefroren. Wir kamen uns ein wenig vor, als hätten wir einen Ausflug zum Himalaya gemacht und langsam dämmerte uns, warum das Unternehmen unseres Guides auch "Extreme Adventures" heißt... ;-). Dennoch war die Landschaft wundervoll.



Und egal, wo wir sind, abends gibt es Braai (BBQ). Monrey hat den Grill angeschmissen und bei Eiseskälte wurden noch die Würstchen gegrillt, die wir dann drinnen vor einem kleinen Ofen gemütlich gegessen haben. Vor diesen haben wir dann auch unsere Matrazen und Schlafsäcke geworfen und erstaunlich gut geschlafen...

01 Oktober 2006

I am a monkey...

Das war der meistgebrauchte Satz unseres Guides. Nachdem Monrey nun schon sich am ersten Mozambique-Tag die erste Zehe verletzt hat, sollte das nicht seine letzte Verletzung sein. Egal, wie leer ein Strand auch sein mag: Er findet unter Garantie den einzigen Stein, an dem man sich Zehen brechen kann. Nachdem der Nagel der ersten Zehe schon halb abgerissen war, zog er mit dem großen Zeh des anderen Fußes nach.
Den hat er sich dann auch gleich beim nächsten Stein noch halb aufgeschnitten.
Reingetreten ist er dann auch noch in eine spitze Wurzel oder ähnliches und hat sich den Fuß von unten verletzt.
Und immer wieder hörte man von Ferne fluchen: "Outsch, i'm a monkey". So leid uns das auch tat, aber wir haben nur noch Tränen gelacht. Wir haben es auch schon immer kommen sehen:
Er schmiss das Feuerholz in die Nähe der Feuerstelle und natürlich wussten wir, dass er gleich wieder dagegen rennen wird. Und natürlich "i'm a monkey".

Auch mit dem Feuer hat er seine allabendliche Auseinandersetzung: Er ist der beste Feuermacher weit und breit und wenn er braait (grillt), ist es Klasse, aber man sollte die brennenden Holzscheite eben nicht mit der bloßen Hand umschichten. Genau das hat er aber allabendlich gemacht - gefolgt von einem "i'm a monkey". Unser Kommentar, wenn wir das zwischen unseren Lachattacken rausbekamen, war dann setig: "Fire is hot"...

Immerhin ist er kein Weichei und er hat kaum gejammert. Nichtsdestotrotz ist er ein hervorragender Guide. Er war einst ein Policeman in Jo'burg und dort in dem gefährlichsten Viertel unterwegs. Dort ist er dann auch mehrmals lebensgefährlich angeschossen worden, weshalb er das an den Nagel gehängt hat. Er erkennt Dinge blitzschnell und messerscharf und hat auf uns Mädels immer ein wachsames Auge... So fühlen wir uns hier immer sehr sicher.

... und action!

So schön die ersten ruhigen Tage am Strand auch waren, es gab auch eine andere Seite:
Jet-Ski gefahren, Quad-Bike, 4x4 durch die Dünen und sogar Tauchen...

Monrey war der Meinung, dass wir Mädels nur dann 4x4 fahren lernen, wenn wir es in den Dünen üben. Also gab er uns den Bakkie und wir taten unser Bestes, nicht stecken zu bleiben. Uff, das war ganz schön aufregend und spannend. Wenn man auf dem Kamm der Düne steht, sieht man nichts als Horizont und man weiß nur, dass es irgendwo vor einem steil bergab geht. Räder gerade stellen und einfach mal ins Nichts losfahren. Das Auto rollt los, aber natürlich nicht dahin, wo man möchte... egal, weiterrollen lassen. Lenken kann man ohnehin nicht. Die Düne hoch: Vollgas im zweiten Gang, im ersten drehen die Räder laut Monrey zu schnell durch... nur nicht hängen bleiben! Und doch schnell zurück in den ersten, weil die Geschwindigkeit nicht ausreicht - kein Wunder bei einem halben Meter losen Sand. Aber sind wir nicht stecken geblieben! Die Dünen hoch und runter ...und es hat Mega-Spaß gemacht!






In Südafrika war dann ein langes Ferienwochenende und viele kamen auf unseren Camp-Site. Ein unvorstellbare Schau an Quad-Bikes, Moto-Cr0ss Maschinen, Jet-Skis und Booten.

Wir haben viele nette Leute kennengelernt und es wurde fast eine große Familie. Ein Pärchen hatte kein Zelt und so hat unser Guide Monrey den beiden sein Zelt gegeben und selbst vor unserem Zelt am Feuer geschlafen. Mit den beiden haben wir uns unglaublich gut verstanden.

Wir haben Jungs auf ihren Bikes gesehen, die in den Dünen eine unglaubliche Show geliefert haben. Sie haben uns auch mal mitgenommen. Ebenso einige Quad-Biker. Ein herrlicher Spaß!!! Selbst die Kleinsten fahren hier schon Quad... unglaublich! Die Jungs auf dem mittleren Bike sind gerade mal max. 4 oder 5 und 3 Jahre alt.



Auf Jet-Skis sind wir dann auch mitgenommen worden. Die Jungs hatten wir am Abend vorher in dem Restaurant auf dem Camp-Site kennengelernt. Es waren einige ältere Herren dabei und die Söhne, Neffen etc. Supernett. Ich bin mit Marc durch die Wellen geheizt, der das wahrlich konnte. Da waren einige mächtige Sprünge dabei und ich musste alle Kraft aufbringen, mich wie ein Klammeräffchen auch oben zu halten.

Am Abend bin ich dann mit den "Biker-Boys" tauchen gegangen. Gary war ein ganz ruhiger und besonnener Mensch und ich wusste, ich kann ihm vertrauen. Also hat er mit mir erstmal geübt, wie man mit dem Stopfen im Mund auch atmet... Und es war erstaunlich einfach. Nachdem das dann gut klappte, hat er mir einen Gewichtsgürtel umgelegt (sonst kam ich auch einfach nicht runter) und ich hab mich erstmal auf den Hintern gesetzt. Ganz schön schwer. Eine eigene Flasche hatte ich Gott sei Dank nicht, sondern ich hing mit meinem Schlauch mit an seiner Flasche. Er hat mich dann an die Hand genommen und wir sind ganz nah an der Küste ein wenig getaucht. Ich glaube, ich möchte das doch wirklich lernen... Außer dem "tsssssstsssssss" von der Flasche hört man nichts! Einfach schön...! Weit sind wir natürlich aus Sicherheitsgründen nicht, aber es war trotzdem wunderbar...

Abends waren wir in dem einzigen "Club" des Ortes. Wir hatten bis in die Nacht sehr viel Spaß. Und da der Club nur zum Teil überdacht war, haben wir unter dem klaren Sternenhimmel von Mozambique getanzt...

29 September 2006

Ein bisschen Heimweh...

Der 22. September nahte. Der Tag, an dem meine Eltern ihre Goldene Hochzeit feierten. Ich wollte vorher noch meinem Bruder ein paar Worte an meine Eltern per Email schicken. Aber wie macht man das, wenn man in einem Ort ist, an dem es weder Internet-Cafes noch Telefone gibt? Wir sind jenseits jeglicher Zivilisation gelandet...

Glücklicherweise begegnete uns einer der Männer, die uns vor einigen Tagen aus dem Sand gerettet hatten, auf seinem Quad-Bike. Wir wussten, dass sie hier ein Backpacker-Hotel führen. Ich dachte mir, dass diese dann doch auch ein Büro haben müssten... und Büro klingt nacht Internet. Gott sei Dank war es auch so und ich durfte es auch kurz nutzen. Ich war sehr dankbar dafür.

Am 22. September wollte ich dann meine Eltern anrufen. Aber wie, wenn man in einem Ort ohne öffentliche Telefone ist? Mein Mobil-Telefon hatte nicht mal ansatzweise Empfang... Der Tauch-Club nebenan hatte auch kein richtiges Telefon. Den ganzen Tag habe ich rumgefragt und versucht, irgendwie eine Möglichkeit zu finden. Gott sei Dank hatte dann eine Angestellte ein Handy mit Empfang und dieses durfte ich für 2 Minuten benutzen. Leider konnte ich zu Hause nur den Anrufbeantworter erreichen, was mich schon ziemlich traurig gemacht hat. Ich hätte meine Eltern an diesem Tag so gerne persönlich gesprochen.

Daher das nächste Bild auch nur für euch, meine lieben Eltern, geschrieben in Sand von Mozambique:

Am Strand von Mozambique...

Angekommen am Strand bin ich abends erstmal ins Wasser geaufen...mit Klamotten. Jedenfalls zur Hälfte. ;-) Da gab es kein Halten mehr...
Wir hatten erstmal den Strand für uns alleine. Die Strände dort sind unglaublich schön. Auch hier sprechen die Bilder für sich:




Wir haben ein paar Tage die Sonne, die Strände und das unglaublich warme Wasser des Indischen Ozeans genossen. Herrlich. Mücken schwirren hier zwar rum, aber dank "Peaceful Sleep", mit dem wir uns permanent einsprühen, erwischt mich nur eine einzige. Malaria sollte also kein Problem sein...

Ich bekomme erste Farbe und ich sehe nicht mehr schneeweiß aus. Ich erhole mich fantastisch und hole richtig rief Luft...

On the road again... and end of the road...

Aufbruch nach Mozambique. Wir haben im Auto jede Menge Spaß, haben gesungen und die Landschaft angesehen.


Hier gibt es auf den Straßen eines zu beachten: Wenn hier ein Schild "Vorsicht Rind" steht, dann heißt es das auch. Denn hier gibt es in weiten Teilen des Landes keine Abgrenzung zu den Weiden, sodass die dusseligen Rindviecher einfach mitten auf der Straße stehen. Wohlgemerkt auf einer Straße, auf der 120 km/h erlaubt sind!



Nach etlichen Stunden wieder im Auto erreichen wir die Grenze zu Mozambique. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Grenze schließt. An der Grenze hört dann auch die Straße auf. Ab hier gibt es nur noch Sandpiste... Das Bild ist direkt an der Grenze gemacht und das Stop-Schild war eines der letzten Straßenschilder, die wir dort gesehen haben.



Aber hier war ein Fortkommen nur noch mit dem Allrad-Bakkie möglich. Da Monrey sich ziemlich übel am Zeh verletzt hat, hat er dann irgendwann das Steuer mir übergeben. Also musste ich mit einem Bakkie mit schwerem Trailer durch dicken Sand fahren. Wer jemals im dicken Schnee unterwegs war: Das ist Zuckerschlecken... ;-)

Als der Sand noch tiefer wurde, hat Monrey wieder übernommen, damit wir nicht stecken bleiben. Ca. 1 Kilometer später ist dann aber genau das passiert! Vielleicht hätte ich weiterfahren sollen? ;-)
Glücklicherweise kam aber noch ein anderes Allrad-Auto vorbei, der unseren Trailer in Schlepp nehmen konnte. Unseren Bakkie haben wir selbst frei bekommen und wir sind gut im Camp angekommen, wo wir im Halbdunkel erstmal schnell unsere Zelte aufgebaut haben...

home - far away from home...

Nächster Stopp unserer Tour war dann Swaziland. Und wieder war die Natur atemberaubend. Ich werde auch gar nicht viel schreiben, denn die Bilder sprechen für sich...



Gut, dass Monrey sich dort auskannte, und gut, dass wir ein 4x4 Bakkie haben, der uns auch jenseits von Straßen zum Ziel bringt. Wir sind dann noch im Sonnenuntergang etwas gecruist und haben die Landschaft und die Leute genossen...

Bei einem schönen B&B Hostel haben wir dann vor der Tür gecampt. Deren Motto war "Home - far away from home"... ein bisschen gab es einem ein gutes Gefühl.

Hakuna Matata...


Nun also ist unsere Tour am Samstag gestartet. Es hieß wie immer früh aufstehen und packen.

Wie wir gefahren sind, brauche ich vermutlich gar nicht mehr zu erählen:
Matrazen hinten in den Bakkie, Ben und Ulli hinten rein, ich vorne. Trailer an den Bakkie angehängt und los.

Nach kleineren Stopps haben wir in Nelspruit Ben abgesetzt. Eigentlich wollten wir ihn ein paar Tage später in Swaziland wieder treffen, allerdings konnte er dann doch nicht kommen..

Monrey, Ulli und ich sind dann weitergefahren und sind abends im Marloth Park angekommen. Wie der Krüger-Park ebenfalls ein Game-Park (Tier-Park). Der Marloth-Park grenzt auch direkt südlich an den Krüger-Park am Crocodile-River an. Der Unterschied hier: Es gibt keine Hyänen und auch keinen Zaun um die Camps. Löwen gibt es allerdings schon...

Wir hatten hier ein schönes kleines Häuschen und hätten eigentlich auch mal wieder in einem richtigen Bett schlafen können, aber da wir auch eine schöne Empore hatten, haben wir beschlossen, allesamt draußen bei unserem Guide zu schlafen. Was eine tolle Erfahrung! Nachdem Monrey auch meinte, dass Löwen nicht unbedingt Treppen steigen, haben wir uns auch recht sicher gefühlt. Brüllen konnten wir sie allerdings nachts hören - und das war nicht weit weg.

Schöner war es aber, die absolute Stille und Schwärze der Nacht zu hören und zu spüren. In der zweiten Nacht gab es dann ein heftiges Gewitter, was uns aber nicht davon abgehalten hat, draußen zu schlafen. Immerhin war es ja überdacht. Aber diese Blitze waren horrorfilmreif... Erst absolute Schwärze, wie man sie in Deutschland überhaupt nicht kennt, und dann war der Busch plötzlich hell erleuchtet... Gruselig und trotzdem schön.

Morgens hatten wir dann Besuch von "Otto". So habe ich das Warzenschwein genannt, das an dem Morgen an unsere Terrasse kam. Wir haben es dann mit Aepfeln gefüttert, wobei Monrey mich gewarnt und mir erstmal gezeigt hat, wie man den dicken Hauern aus dem Weg geht...

Wir haben dann mal wieder einen Game-Drive durch den Park gemacht. Gesehen haben wir wieder Kudus, Wasser-Büffel, einen Elefanten und aus der Ferne auch einen Löwen und andere kleinere Tiere. Den Drive haben Ulli und ich oben auf dem Dach unseres Bakkies gemacht. Höher konnte man wahrlich nicht sitzen und Monrey ist ohnehin langsam gefahren.

Zurück im Camp gab es erstmal Frühstück und anschließend haben wir ein kleines Schläfchen gehalten. Es ist schon ein wirklich lustiges Gefühl, zu schlafen und die Beine baumeln zu lassen und zu wissen, dass gleich vielleicht ein Warzenschwein einem die Füße schlecken könnte...

Ottos Familie ist aber nicht mehr vorbeigekommen. Dafür aber eine ganze Zebra-Familie. Diese war zwar an sich sehr scheu und anfassen konnte man sie nicht. Die Aepfel haben sie einem allerdings aus der Hand genommen.


Abends gab es immer "Busch-TV", sprich ein schönes Lagerfeuer...

Am nächsten Morgen sind wir mal wieder um 5 Uhr aufgestanden und haben an einem Aussichtspunkt gefrühstückt. Hier konnte man einen weiten Teil des Crocodile-River, der schon zum Krüger-Park gehört, übersehen. Wunderschön, wenn auch ein wenig kühl. Unsere Rusks (eine Art getrockneter Kuchen und mittlerweile eine unserer liebsten Hauptnahrungsquellen) haben wir uns dann mit einer Affenfamilie geteilt, die uns ebenfalls diese aus der Hand genommen (besser gesagt: geklaut) haben. Diese kleinen Racker sind überall und man muss immer alle Türen und Fenster am Haus geschlossen halten, weil sie sonst alles verwüsten. Aber so waren sie doch ganz niedlich...

Oktoberfest...

... gibt es auch hier in Pretoria.

Wir waren dort noch vor unserer zweiwöchigen Tour am 15.09.2006. Wir waren mit Monrey, Godfried, Ulli, Ben (ein Ami) und Thomas (ebenfalls ein Referendar) dort. Für Godfried war es das erste Mal, dass er überhaupt abends mit Weißen unterwegs war. Er war überglücklich und sagte immer und immer wieder, dass er sich zum ersten Mal als ein "jemand", als "Godfried" fühlt, da er sonst einfach immer nur der "Schwarze" ist.
Ulli und mich befremdet auch immer wieder diese strikte Trennung zwischen schwarz und weiß. Nicht, dass es hier unbedingt rassistisch wäre, aber die schwarze Bevölkerung gehört zu den wirklich Armen mit den wirklich schlechten Jobs und wird dementsprechend auch oft so behandelt. Es ist alles freundlich, aber auch die Unterbringung und Behandlung von Godfried erinnert uns eher an Onkel Toms Hütte. Er lebt in einer Hütte, die für Ulli und mich schon als Ferienunterkunft hart an der Grenze ist...

Wir hatten allesamt viel viel Spaß dort und haben viel getanzt. Natürlich habe ich mir einen "Mug" (Bierkrug) gesichert und werde ihn hoffentlich heil mit nach Deutschland bringen...

15 September 2006

Planungen auf südafrikanisch...

Dass hier alles relaxter zugeht als in Deutschland, habe ich ja schon erwähnt, aber ich glaube, ich habe mich schon langsam daran gewöhnt:

Also eigentlich wollten Ulli und ich nach dem Krüger-Park-Wochenende uns ein Auto mieten und dann Richtung Kapstadt fahren, dann aber hatte uns ein älterer deutscher Herr, der in Namibia wohnt, angeboten, mit ihm nach Namibia zu fahren, sodass wir dort die Etosha-Pfanne und seine berauschende Dünen- und Tierwelt ansehen können. Dann wiederum aber hatte ich im Beisein von Monroe (dem südafrikanischen Guide) erwähnt, dass ich gerne auch Lesotho sehen möchte, weil dort die Berge bis auf 3.500 Meter hochgehen. Dort soll es auch einen wahnsinnigen Wasserfall und andere schöne Dinge geben. Womit ich nicht gerechnet habe: Monroe hat direkt angeboten, uns nach Lesotho zu fahren. Wir müssen nur den Sprit bezahlen. Nach Namibia sei anschließend auch kein Problem, es gebe immer genügend Leute, die auch dorthin wollen und er würde uns auch fahren. Den Sprit könnten wir uns dann wieder teilen.

Der erste Plan wuchs dann immer weiter und lautet zur Zeit: Erst in die Nähe des Krüger-Parks, wo seine Familie noch ein Haus hat und die Tiere bis an die Terrasse herankommen, von dort nach Swasiland (dort aber nicht in die Stadt, sondern die Natur), anschließend nach Mozambique, wo es wohl die schönsten Strände weit und breit geben soll. Auch hier lassen wir die Hauptstadt Maputo aus, da keiner von uns scharf auf Gestank und Kriminalität ist. Dann geht es die West Coast von Südafrika runter bis Durban und von dort auf dem Rückweg durch Lesotho. Monroe hat genügend Zelte, seinen Bakkie (Pick-Up auf südafrikanisch) kennen wir auch schon. Es kommt noch ein Amerikaner aus unserem Backpacker-Hotel mit. Wie lange wir unterwegs sein werden? Keine Ahnung... wir dürfen spontan entscheiden, wo es uns gefällt und wo wir noch hin möchten. Er hat wohl mal zwei bis drei Wochen angesetzt. In der Zeit werde ich also höchstvermutlich keinen Blog schreiben können... mal sehen. Aber ich werde garantiert einen Bericht nachliefern.

Allerdings ist ja noch fraglich, ob wir morgen überhaupt losfahren: Schließlich kennt man ja nun die südafrikanische Planung und weiß, dass es genauso gut morgen einfach nur nach Jo'burg gehen kann... Also abwarten und Tee trinken und auf südafrikanisch relaxen!

Gestern waren wir auf einem Spontan-Kurztrip mit Monroe in Jo'burg, haben dort die Firma seiner Familie besucht, anschließend bei seiner Mutter zu Hause ein paar Hunde und Affen gestreichelt und geknuddelt, dann noch was in Pretoria erledigt und wieder zurück.

Heute waren Ulli und ich dann im Gefängnis von Pretoria. Es war ziemlich unheimlich, da im Gegensatz zum deutschen Gefängnis hier die Gefangen in ihren orangefarbenen Overalls innerhalb ihres Tracks frei herumlaufen dürfen. Dementsprechend sind wir beiden Mädels verdammt oft nach unserer Telefonnummer gefragt worden.

Mit uns in der Führung war noch eine Schulklasse voll "Troublemakern", die sich so vom Gefängnis mal abschrecken lassen sollen. Mit einigen Gefangenen haben wir eine Weile geredet und einige haben eine so beeindruckende Rede an die Jungs gehalten, dass wir fast alle Tränen in den Augen hatten. Einer hat dann für uns noch Flöte gespielt, wir haben ihre Bilder gesehen und sie haben vor allem erklärt, warum sie was gemalt haben.

Einer hat von seinem Gang-Leben erzählt und wie er auch andere noch kleine Jungs schlecht beeinflusst hat. Ein anderer hat auch von seinem Leben nichts beschönigt und von seinem Selbstmordversuch gesprochen und wie wütend er anfangs war, dass er überlebt hat, dass er sich nur noch vor Scham hat betrinken wollen, nichts mehr hat sehen wollen. Aber irgendwann hat ihn mal ein Pfarrer auch innerlich erreicht und nun sieht er zumindest wieder Licht und weiß, dass er auch Sachen gut machen kann. Vom Gefängnis aus studiert er nun und will nach seiner Freilassung einen Job annehmen, egal wie schlecht er ist.
Eines der Bilder fand ich besonders beeindruckend: Es zeigte einen "großen" Bruder, der selbst noch ein Kind war, der auf seine kleinen Geschwister aufpassen muss, da die Mutter an Aids gestorben ist. Eines der Kinder krabbelte in eine Mülltonne, um nach Essen zu suchen, von der ein Hund schon weggelaufen war, weil es verdorben war. So sieht hier leider in manchen Regionen aber die Realität aus: Da müssen sich kleine Kinder schon um ihre noch kleineren Geschwister kümmern, weil die Eltern nicht mehr leben. Ein verdammt hartes Leben, bei dem kaum einer hilft.
Zwei Mädchen, die auch im Backpackers wohnen und in einer Community hier arbeiten, haben erzählt, dass hier Kinder verkommen, die eigentlich ihr Leben noch vor sich haben, aber die Eltern sind besoffen oder nicht mehr am Leben und selbst ein kleines Stück Papier haben sie nicht, um vielleicht schreiben zu lernen....

Nachdem wir auf dem Ausweg aus dem Gefängnis noch mit ein paar Gefangenen geredet haben, war es wirklich ein komisches Gefühl, diesen noch die Hände zu schütteln und zu wissen, dass einige von ihnen noch 7 Jahre dort bleiben werden.

Die "Troublemaker" aus der Schulklasse waren auch recht beeindruckt und die Lehrer hoffen, dass sie sich für den richtigen Weg entscheiden werden. Die meisten dieser 16-jährigen Jungs machten auf mich allerdings den Eindruck, als wüssten sie sehr gut, was richtig und was falsch ist. Sie waren uns gegenüber sogar richtige kleine Gentlemen, die die Türen aufgehalten haben, darauf geachtet haben, dass nicht afrikaans gesprochen wurde, die aufgestanden sind, damit wir uns setzen können etc. Eigentlich wirklich liebe Jungs...

Ich wollte dann anschließend noch gerne das Gericht sehen und Annie (die Wärterin) hat uns noch die paar Blocks dorthin gebracht. Wir haben dann ein wenig einer afrikaans Verhandlung zugesehen, die äußerst lustig ablief, aber inhaltlich haben wir nur verstanden, dass es um irgendeine Beweislast ging... ;-)

Nachdem wir dann beschlossen hatten, nach Hatfield zurückzukehren, haben wir uns zu dem entsprechenden Bus durchgefragt und sind heil wieder zu Hause gelandet. Ach ja: Auch der offizielle Linienbus hält hier einfach dort, wo man gerne möchte und man braucht nicht zu warten, bis die nächste Haltestelle kommt... sehr einfaches und komfortables System!

Nun, wenn die Planung der Tour noch steht, fahre ich ab morgen eine Weile weg. Wenn es eine süafrikanische Planung ist, schreibe ich bald wieder... ;-)

13 September 2006

BBQ unter Hyänen...

Bevor wir in den Krüger-Park gefahren sind, sind wir erst noch zu einer Cheetah-Farm. Hier werden jede Menge Geparden gehegt und gepflegt und gezüchtet, um sie anschließend möglichst auszuwildern. Auch andere Tiere werden nach Pflege wieder ausgesetzt. Meistens geht das auch gut. Hier haben wie auch Wild-Hunde, verschiedene (seltene) Wildkatzen und viele Vögel gesehen.

Im Krüger-Park angekommen, sind wir erstmal zu unserer neuen Unterkunft gefahren: Zelte in einem kleinen umzäunten Camp. Wir haben aber erstmal nur unsere Sachen abgeladen und sind in einen offenen Jeep umgestiegen. Dann raus aus dem Camp und rein in das Gelände.

Wir haben dann eine Menge Antilopen-Arten gesehen. Meist Impalas, aber auch seltene, wie den Steenbok und den Sable (ich weiß den deutschen Namen jetzt gerade gar nicht...). Wir haben Warzenschweine, Wasserbüffel, Giraffen, den ersten Elefanten und viele viele andere Tiere gesehen. Wir waren aber sehr sehr froh, dass wir Lloyd (er war auch mal Ranger) dabei hatten, denn wir hätten nur einen Bruchteil der Tiere überhaupt gesehen. So ist er einmal in die Eisen gestiegen und rief uns "lion" zu. Keiner von uns hat ihn zunächst sehen können, aber dann sahen wir ihn. Gar nicht weit entfernt lag er im Gras. Ein junger männlicher Löwe. Nach einigen Stunden Fahrt sind wir wieder ins Camp, haben uns warme Klamotten angezogen und sind mit Rodney (einem Ranger aus dem Krüger-Park) auf zum Sunset-Drive.

In der untergehenden Sonne sah der Park wunderschön aus. Allerdings dauert hier der Sonnenuntergang gerade mal eine Viertelstunde und dann ist es eiskalt. Aber es waren genug Decken in dem Jeep. Außerdem hielt einen die Spannung warm.

In der Dunkelheit der Nacht sind wir dann noch drei Stunden durch die Gegend gefahren und hatten das Glück auch seltene Tiere in dem Scheinwerfer-Licht zu sehen. Die Scheinwerfer sind außen am Jeep montiert und zwei waren von Hand zu bewegen. Wir haben so die seltene afrikanische Wildkatze, ein Stachelschwein, eine Hyäne, eine andere Wildkatze und einen Schakal gesehen.

Im Camp angekommen hatte Lloyd dann schon fantastisch für uns gekocht. Um ein Feuer rum haben wir dann ordentlich gegessen und haben noch eine Weile geredet. Wir sind dann aber früh ins Bett.

Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen. Es gab dann auch nur eine Tasse Tee und wir sind schon wieder in den Jeep gesprungen. In den frühen Morgenstunden haben wir wieder jede Menge Tiere gesehen und das absolute Highlight war ein Leopard, der unseren Weg kreuzte. Lloyd hatte ihn von weitem schon direkt erkannt (für mich hätte es aus der Ferne auch ein Impala sein können ;-) ) und so hat er das Auto vorsichtig in seine Nähe gefahren. Was ein imposantes Tier!!!

Was wir an diesem Tag noch alles gesehen haben, lässt sich nur bruchstückhaft erzählen: Eine Elefanten-Herde mit Babys, Nilpferde, jede Menge Adler-Arten, Geier-Arten, bunte Vögel jeder Art, zwei Krokodile, einen großen männlichen Geparden, der gerade ein Impala gejagt hatte und dabei war, das zu verspeisen. Vier Löwinnen, die jeweils separat in einiger Entfernung im Gebüsch lagen und sich nacheinander in die gleiche Richtung aufmachten, um auf Jagd zu gehen, Zebras, Gnus, Wasserbüffel... und und und...

Wir haben dann in einem "Camp" gebruncht. Lloyd hat wieder die Pfannen angeschmissen und es war richtig lecker. Während wir dann aßen, ging in der Nähe ein Elefant vorbei, ein Zebra graste friedlich in der Nähe und zwei kleine Eulen saßen im Baum über uns. Das Camp war hier nur von ein paar Holz-Pfosten umgeben und so war das Natur-Feeling unmittelbar und irgendwie auch unwirklich...

Auf der Weiterfahrt sind wir auch an einigen Wasserlöchern vorbei und hatten dann das große Glück eine Löwen-Familie zu sehen: Der große stattliche Papa, einen Jung-Löwen, zwei kleine (vielleicht 2 Monate alte) Löwen und die Mama. Aus der Ferne konnte man sehen, wie die beiden kleinen spielten und die alten Löwen total entspannt die Umgebung im Auge behielten.

Wir hatten auch das seltene Glück einen der ganz wenigen schwarzen Rhinos (Spitzmaulnashorn) zu sehen. Dieser war allerdings recht weit weg und für uns erst durch Ferngläser zu erkennen. Lloyd hatte ihn irgendwie mit seinen Adleraugen entdeckt. Wir haben ihn erst nach einigen Minuten mit Ferngläsern überhaupt ausmachen können. Wir waren aber auch ganz froh, dass das Nashorn schön in der Ferne geblieben ist, da es zu den aggressivsten Tieren gehört...

So gehören wir zu den seltenen Menschen, die wirklich alle der "big 5" (Löwe, Elefant, Nilpferd, Nashorn und Wasserbüffel) und obendrein andere seltene Tiere gesehen haben. Manche Leute fahren tagelang durch den Park und sehen nur ein paar Antilopen.

Abends hat Lloyd dann ein paar Steaks auf den Grill geschmissen. Dazu gab es leckeres Gemüse, Kartoffeln und vieles mehr...

Während wir dann so um das Feuer saßen, ging genau 1 Meter hinter mir eine Hyäne am Zaun entlang... Die sind nämlich gar nicht so wirklich scheu, sondern einfach verdammt gierig. Und wieder kam so ein unwirkliches Gefühl auf: Saß man hier wirklich mitten in der Wildnis, umgeben von wilden Tieren und aß gemütlich ein Steak???

Lloyd hat dann noch ein paar "lustige" Geschichten von seiner langen Zeit in der Wildnis erzählt und irgendwie hat einen der kleine Zaun nicht mehr so wirklich beruhigt... ;-)

Nachts hörte man dann Schakale jaulen, irgendein anderes Viech krauchte am Zaun entlang, irgendwo wurde ein Impala zerlegt und das Quietschen ging durch Mark und Bein. Man hörte auch ein seltsames Grummeln, das ich nicht zuordnen konnte. Lloyd meinte dann am nächsten Morgen um halb 5 am Feuer: "Ja, die Löwen kommen näher..."...

Nur gut, dass ich mich ausgerechnet für diesen Morgen auch zum Bush-Walk angemeldet hatte... *schluck*.

Bush-Walk hieß: Vier mutige Touristen und zwei bewaffnete Ranger gehen einfach mal auf den Fährten von Rhinos, Löwe und Co. durch den Busch wandern. Wir haben Sicherheits-Anweisungen bekommen, wie wir uns zu verhalten haben, falls wir auf eine der Raubkatzen stoßen und sind dann im Gänsemarsch durch den Busch.

Ein unglaubliches Erlebnis!!!! Rodney und Steve waren unsere Ranger und haben uns viel vom Busch und seinen Fußspuren erklärt. Wie kann man erkennen, wann und wo, welche Tiere waren? Wie kann man erkennen, ob hier ein Löwe oder ein anderes Raubtier gegessen hat? Mit welchen Pflanzen kann man sich gegen Moskitos einreiben, welches Holz kann man nicht zum Brennen benutzen, weil man sonst in Ohnmacht fällt? Wir haben noch viel über Vögel, Spinnen und andere kleine Tiere gelernt. Wer wie singt etc. etc....
Gesehen an dem Morgen haben wir einige Antilopen-Arten und den banded Mungo. Sehr lustige Tiere.

Gepicknickt haben wir dann an einem Wasserloch, an dem jede Menge Spuren von Nashörnern, Elefanten und Raubkatzen waren... ein irres Gefühl, wenn jeden Moment hinter einem ein solches Tier plötzlich auftauchen könnte...

Insgesamt war der Krüger-Park ein fantastisches Erlebnis!!!!!!!!! Ein paar Bilder lade ich mal hier hoch, andere muss ich erst minimieren, aber das ist nur ein Ausschnitt aus insgesamt mehr als 600 Bildern, die ich hier in Südafrika schon gemacht habe...