15 September 2006

Planungen auf südafrikanisch...

Dass hier alles relaxter zugeht als in Deutschland, habe ich ja schon erwähnt, aber ich glaube, ich habe mich schon langsam daran gewöhnt:

Also eigentlich wollten Ulli und ich nach dem Krüger-Park-Wochenende uns ein Auto mieten und dann Richtung Kapstadt fahren, dann aber hatte uns ein älterer deutscher Herr, der in Namibia wohnt, angeboten, mit ihm nach Namibia zu fahren, sodass wir dort die Etosha-Pfanne und seine berauschende Dünen- und Tierwelt ansehen können. Dann wiederum aber hatte ich im Beisein von Monroe (dem südafrikanischen Guide) erwähnt, dass ich gerne auch Lesotho sehen möchte, weil dort die Berge bis auf 3.500 Meter hochgehen. Dort soll es auch einen wahnsinnigen Wasserfall und andere schöne Dinge geben. Womit ich nicht gerechnet habe: Monroe hat direkt angeboten, uns nach Lesotho zu fahren. Wir müssen nur den Sprit bezahlen. Nach Namibia sei anschließend auch kein Problem, es gebe immer genügend Leute, die auch dorthin wollen und er würde uns auch fahren. Den Sprit könnten wir uns dann wieder teilen.

Der erste Plan wuchs dann immer weiter und lautet zur Zeit: Erst in die Nähe des Krüger-Parks, wo seine Familie noch ein Haus hat und die Tiere bis an die Terrasse herankommen, von dort nach Swasiland (dort aber nicht in die Stadt, sondern die Natur), anschließend nach Mozambique, wo es wohl die schönsten Strände weit und breit geben soll. Auch hier lassen wir die Hauptstadt Maputo aus, da keiner von uns scharf auf Gestank und Kriminalität ist. Dann geht es die West Coast von Südafrika runter bis Durban und von dort auf dem Rückweg durch Lesotho. Monroe hat genügend Zelte, seinen Bakkie (Pick-Up auf südafrikanisch) kennen wir auch schon. Es kommt noch ein Amerikaner aus unserem Backpacker-Hotel mit. Wie lange wir unterwegs sein werden? Keine Ahnung... wir dürfen spontan entscheiden, wo es uns gefällt und wo wir noch hin möchten. Er hat wohl mal zwei bis drei Wochen angesetzt. In der Zeit werde ich also höchstvermutlich keinen Blog schreiben können... mal sehen. Aber ich werde garantiert einen Bericht nachliefern.

Allerdings ist ja noch fraglich, ob wir morgen überhaupt losfahren: Schließlich kennt man ja nun die südafrikanische Planung und weiß, dass es genauso gut morgen einfach nur nach Jo'burg gehen kann... Also abwarten und Tee trinken und auf südafrikanisch relaxen!

Gestern waren wir auf einem Spontan-Kurztrip mit Monroe in Jo'burg, haben dort die Firma seiner Familie besucht, anschließend bei seiner Mutter zu Hause ein paar Hunde und Affen gestreichelt und geknuddelt, dann noch was in Pretoria erledigt und wieder zurück.

Heute waren Ulli und ich dann im Gefängnis von Pretoria. Es war ziemlich unheimlich, da im Gegensatz zum deutschen Gefängnis hier die Gefangen in ihren orangefarbenen Overalls innerhalb ihres Tracks frei herumlaufen dürfen. Dementsprechend sind wir beiden Mädels verdammt oft nach unserer Telefonnummer gefragt worden.

Mit uns in der Führung war noch eine Schulklasse voll "Troublemakern", die sich so vom Gefängnis mal abschrecken lassen sollen. Mit einigen Gefangenen haben wir eine Weile geredet und einige haben eine so beeindruckende Rede an die Jungs gehalten, dass wir fast alle Tränen in den Augen hatten. Einer hat dann für uns noch Flöte gespielt, wir haben ihre Bilder gesehen und sie haben vor allem erklärt, warum sie was gemalt haben.

Einer hat von seinem Gang-Leben erzählt und wie er auch andere noch kleine Jungs schlecht beeinflusst hat. Ein anderer hat auch von seinem Leben nichts beschönigt und von seinem Selbstmordversuch gesprochen und wie wütend er anfangs war, dass er überlebt hat, dass er sich nur noch vor Scham hat betrinken wollen, nichts mehr hat sehen wollen. Aber irgendwann hat ihn mal ein Pfarrer auch innerlich erreicht und nun sieht er zumindest wieder Licht und weiß, dass er auch Sachen gut machen kann. Vom Gefängnis aus studiert er nun und will nach seiner Freilassung einen Job annehmen, egal wie schlecht er ist.
Eines der Bilder fand ich besonders beeindruckend: Es zeigte einen "großen" Bruder, der selbst noch ein Kind war, der auf seine kleinen Geschwister aufpassen muss, da die Mutter an Aids gestorben ist. Eines der Kinder krabbelte in eine Mülltonne, um nach Essen zu suchen, von der ein Hund schon weggelaufen war, weil es verdorben war. So sieht hier leider in manchen Regionen aber die Realität aus: Da müssen sich kleine Kinder schon um ihre noch kleineren Geschwister kümmern, weil die Eltern nicht mehr leben. Ein verdammt hartes Leben, bei dem kaum einer hilft.
Zwei Mädchen, die auch im Backpackers wohnen und in einer Community hier arbeiten, haben erzählt, dass hier Kinder verkommen, die eigentlich ihr Leben noch vor sich haben, aber die Eltern sind besoffen oder nicht mehr am Leben und selbst ein kleines Stück Papier haben sie nicht, um vielleicht schreiben zu lernen....

Nachdem wir auf dem Ausweg aus dem Gefängnis noch mit ein paar Gefangenen geredet haben, war es wirklich ein komisches Gefühl, diesen noch die Hände zu schütteln und zu wissen, dass einige von ihnen noch 7 Jahre dort bleiben werden.

Die "Troublemaker" aus der Schulklasse waren auch recht beeindruckt und die Lehrer hoffen, dass sie sich für den richtigen Weg entscheiden werden. Die meisten dieser 16-jährigen Jungs machten auf mich allerdings den Eindruck, als wüssten sie sehr gut, was richtig und was falsch ist. Sie waren uns gegenüber sogar richtige kleine Gentlemen, die die Türen aufgehalten haben, darauf geachtet haben, dass nicht afrikaans gesprochen wurde, die aufgestanden sind, damit wir uns setzen können etc. Eigentlich wirklich liebe Jungs...

Ich wollte dann anschließend noch gerne das Gericht sehen und Annie (die Wärterin) hat uns noch die paar Blocks dorthin gebracht. Wir haben dann ein wenig einer afrikaans Verhandlung zugesehen, die äußerst lustig ablief, aber inhaltlich haben wir nur verstanden, dass es um irgendeine Beweislast ging... ;-)

Nachdem wir dann beschlossen hatten, nach Hatfield zurückzukehren, haben wir uns zu dem entsprechenden Bus durchgefragt und sind heil wieder zu Hause gelandet. Ach ja: Auch der offizielle Linienbus hält hier einfach dort, wo man gerne möchte und man braucht nicht zu warten, bis die nächste Haltestelle kommt... sehr einfaches und komfortables System!

Nun, wenn die Planung der Tour noch steht, fahre ich ab morgen eine Weile weg. Wenn es eine süafrikanische Planung ist, schreibe ich bald wieder... ;-)